| Von Stühlen und Bonbons Mit fehlerfreien 39,02 Sekunden gehörten Christina Liebherr, die 2005 Vize-Europameisterin wurde, nicht nur 500 Euro, sondern auch der Sieg in der renommierten Nachwuchsserie für sieben- und achtjährige Talente unter dem Sattel. Die Schweizer Amazone ließ damit im Stechen Gilbert „Gilli“ Böckmann (Lastrup) mit der siebenjährigen Stute No father`s girl (0/39,45) und Thomas Voß (Schülp) auf der achtjährigen Holsteiner Stute Optik I hinter sich. Durch die 20 Punkte, die Liebherr mit ihrem Selle Francais-Zuchtprodukt in Hannover kassierte, ist die Unternehmer-Tochter auch für das endgültige Finale der seit 2005 stattfindenden Sprehe Feinkost Youngster Tour im Rahmen der Munich Indoors vom 29. November bis 02. Dezember startberechtigt. Zu den Munich Indoors wird auch Alois Pollmann-Schweckhorst reisen, der sich mit seiner Candy den Sieg in der EURO-Leasing-Trophy, der Qualifikation für die Wertungsprüfung für die RIDERS TOUR, sicherte. In 28,35 Sekunden blieb der Mühlener im von Frank Rothenberger anspruchsvoll gebauten Stech-Parcours des zweiten internationalen Springens der diesjährigen GERMAN CLASSICS fehlerfrei. Damit konnte der 43-Jährige mit seiner 15-jährigen Holsteiner Stute Candy die bis dahin bestehende Bestzeit des Schweizer Championats-Reiters Werner Muff noch um fünf Hundertstel unterbieten. „Am Ende wurde es noch einmal knapp. Aber da habe ich Paul Schockemöhle rufen hören, dass ich mich beeilen muss und mit dieser tatkräftigen Unterstützung hat es schließlich funktioniert“, so der Pferdewirtschaftmeister, der seit Anfang des Jahres für den Veranstalter der German Classics in dessen Mühlener Stall tätig ist. Eigentlich hätte Pollmann-Schweckhorst noch den Schweizer Beat Mändli im Nacken gehabt, aber der Mannschafts-Vierte der EM wollte sein junges Pferd für den morgigen Großen Preis, bei dem es immerhin um 100.000 Euro geht, lieber schonen. Ebenso wie Meredith Michaels-Beerbaum, Ludger Beerbaum oder Christian Ahlmann, die zu den fünf besten Reitern der Welt gehören und damit automatisch für den Gropen Preis startberechtigt sind. Das EM-Trio gab daher den jüngeren Pferden in der EURO-Leasing-Trophy eine Chance, aber alle drei erreichten auf Grund von Fehlern nicht das Stechen. Auf dem dritten Rang in der mit 20.000 Euro dotierten EURO-Leasing-Trophy landete vor voll besetzten Tribünen der Borgholzhausener Franke Sloothaak mit dem zwölfjährigen Wallach Legurio in 28,98 Sekunden. „Das ist eine Wahnsinns-Kulisse. Hoffentlich kann Legurio morgen noch einmal alles geben.“ Und auch der Prüfungs-Sponsor, der sich erstmals im Reitsport engagierte, zeigte sich angesichts solcher Leistungen begeistert: „Das ist mitreißend. Wir werden im nächsten Jahr bestimmt wieder dabei sein. Vielleicht dann mit einem noch größeren Engagement“, so Ralf Faust, Geschäftsführer der EURO-Leasing GmbH. In der Dressur ging es am Samstag etwas beschaulicher zu, auch wenn die Zuschauer ihre Lieblinge wie Isabell Werth (Rheinberg) und Debbie McDonald (USA) lautstark anfeuerten. Doch die Siegerin in der zwei geteilten Prüfung hieß nicht Werth oder McDonald – die Nachwuchsreiterin Sonja Bolz (Kerpen) sicherte sich auf dem ehemals von Nadine Capellmann gerittenem Wallach Cockney mit 69,70 Prozent die goldene Schleife. Der 16-jährige Holsteiner musste lange Zeit pausieren und zeigte nun in der Messehalle 2 eindrucksvoll seine Qualität, die schon beim dritten Platz in der Weltcup-Qualifikation in Frankfurt im vergangenen Dezember aufblitzte. Dass mit dem Alter häufig auch die Qualität steigt, unterstrich zusätzlich Anja Hermelink (Hamburg) auf ihrem Patmos. Der 15-jährige Wallach piaffierte und passagierte sich im Grand Prix gegeben von Madeleine Winter-Schulze frisch und korrekt mit 67,37 Prozent auf Platz zwei. Eine Bewertung, an die Welt- und Europameisterin Isabell Werth knapp heranreichte – aber eben nur knapp. Mit ihrem 14-jährigen Hengst Polano wurde es mit 67,29 Prozent Rang Drei. Alle zwölf Teilnehmer des Grand Prix werden nun morgen zur Grand Prix Kür antreten und hier zu Musik ihre Pferde erneut tanzen lassen.
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